Nachdem ich hier den Bericht einer lange in Deutschland lebenden polnischen Familie veröffentlichte, wie sie bei ihr Zuhause in Warschau die Corona-Krise erlebt – sehr viel entspannter und mit weniger Panik und Angst – erreichten mich zahlreiche Zuschriften von Leserinnen und Lesern aus anderen Ländern. Gerne veröffentliche ich diese. Ich beginne mit einem Bericht aus Belgien, das besonders schwer von der Krise getroffen wurde. Weil ich mich nicht als Zensor verstehe, gebe ich alles wörtlich wieder – auch Stellen, die starker Tobak sein mögen. Aber ich fühle mich nicht als Vormund und Erzieher meiner Leser, und bin sicher – Sie können auch mit zugespitzten Meinungen umgehen und wollen kein „betreutes Informieren“.


Ich lebe seit fast 20 Jahren in Belgien. Mein Beruf hat mich nach Belgien geführt, ansonsten bin ich ein glühender Deutschland-Fan. Besser gesagt, war ich.

Momentan bin ich heilfroh, in Belgien leben zu dürfen. Wir haben hier zum Glück nur einen „Mini-Lockdown“: Restaurants und Friseure haben seit dem 1. November zu. Friseure sollten ab Mitte Februar aufmachen.

Der große Unterschied ist aber: die Geschäfte haben alle auf. Wir waren mal die Tage in einem überfüllten Media Markt, welche eine Freude, wenigstens dort, Menschen zu sehen, die fröhlich einkaufen können. Noch wichtiger ist es: Schulen, Kindergärten, Kinderkrippen haben ebenfalls auf! Gerade was Kleinkinder bzw. Grundschulkinder betrifft, herrscht hier in Belgien die Meinung, dass Betreuungseinrichtungen bzw. Grundschulen nicht zugemacht werden sollen. Größeren Kindern kann man teilweisen Tele-Unterricht zumuten, kleinen Kindern aber nicht.

Auffallend in dieser Hinsicht ist folgendes: Belgien hatte bis 1. Oktober 2020 eine Regierungschefin, Sophie Wilmès, 46 Jahre alt, Mutter von 4 Kindern, die alle im Schulalter sein müssten. Seit dem 1. Oktober 2020 heißt der neue Premier, Alexander De Croo, 45 Jahre alt, 2 Kinder. (Sophie Wilmès ist Vize-Premier.) Die höchsten politischen Entscheidungsträger haben also allesamt Kinder im schulpflichtigen Alter. Ganz im Gegensatz zu Deutschland: Merkel, Altmaier, Spahn, Helge Braun, um nur einige zu nennen: allesamt kinderlos.

Ist es also ein Zufall, dass Kitas und Schulen in Deutschland zu sind?

Ja, der Lockdown in Deutschland ist eine politische Entscheidung. Der FFP2-Masken-Zwang ebenfalls.

In Belgien „reichen“ die üblichen Stoffmasken aus. Und noch etwas ist sehr auffällig, wenn ich beide Länder vergleiche: hier gibt es nicht so viele, bzw. kaum welche selbsternannten Sitten-Polizisten, die einen ständig darauf hinweisen, dass die Maske wohl über der Nase sitzen muss. Wir fahren regelmäßig nach Aachen zum Einkaufen. Bei einem 20minütigen Supermarkt-Einkauf bin ich in Aachen dreimal angesprochen worden, am Ende vom Marktleiter verfolgt…. So etwas habe ich in Belgien noch nicht erlebt. Insgesamt herrscht hier eher die Lebensphilosophie: Leben und leben lassen. Jeder kümmert sich um seinen eigenen Haushalt und kehrt vor seinem eigenen Haus. Und lässt die anderen in Ruhe…..

Mir bricht das Herz, wenn ich sehe, wie der deutsche Mittelstand, die vielen tüchtigen Einzelhändler, Hoteliers, Gastronomen, Firmenbesitzer verzweifeln, vor dem Abgrund stehen oder schon zugemacht haben. Und die Pleitegeier kreisen schon und wollen sich die Filetstücke sichern. Deutschland ist ein so wunderbares Land! Lasst Euer Land nicht kaputtmachen!

Bitte-bitte, Ihr mündigen Bürger in Deutschland, protestiert, vernetzt Euch, wehrt Euch, flutet die Politiker mit Protest-Emails und Videos, argumentiert damit, dass andere Länder eine andere Politik fahren und dort trotzdem kein Massensterben stattfindet. Ohne Proteste, fürchte ich, wird sich so bald nichts ändern und der nächste Herbst/Winter kommt ja in wenigen Monaten.
 

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Bild: Benny Marty/Shutterstock
Text: Gast



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Von Veritatis