Rangun (dpa) – In Myanmar hat es erstmals öffentliche Proteste gegen den Militärputsch und die Festnahme von Regierungschefin Aung San Suu Kyi gegeben. Die Furcht vor einer Eskalation und Gewalt wächst.

In der größten Stadt Rangun machten viele Einwohner ihrem Ärger Luft, indem sie lautstark auf Töpfe und Pfannen schlugen. Auch Hupkonzerte waren zu hören. Mit Lärm sollen in dem buddhistischen Land normalerweise böse Geister vertrieben werden. In der zweitgrößten Stadt Mandalay gingen vor allem junge Menschen auf die Straße.

Bei den Vereinten Nationen in New York forderte der UN-Sicherheitsrat die Freilassung von Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi, die wie zu Zeiten der früheren Militärdiktatur wieder unter Hausarrest stehen soll.

Das mächtigste UN-Gremium einigte sich auf eine gemeinsame Stellungnahme, in der alle 15 Mitglieder «tiefe Besorgnis» äußern. Das Vorgehen des Militärs wird aber weder direkt verurteilt noch als «Putsch» bezeichnet. China und Russland wollten entsprechende Passagen in einem früheren Entwurf nicht mittragen.

Der neue US-Präsident Joe Biden forderte die Armeeführung auf, sich unverzüglich wieder zurückzuziehen. Biden sagte in Washington, das Militär müsse die Macht in dem südostasiatischen Land sofort aufgeben, Aktivisten und Funktionäre freilassen, Einschränkungen bei der Telekommunikation aufheben und von Gewalt absehen. Zuvor hatten die USA – ebenso wie die EU – schon mit Sanktionen gedroht.

In Mandalay forderten Demonstranten nach dem Putsch von Montag die Wiedereinsetzung der Regierungschefin. «Wir werden nur Anweisungen unserer demokratisch gewählten Regierung befolgen», hieß es in einer Erklärung der Bewegung des zivilen Ungehorsams, die um Unterstützung aus dem Ausland bat. Der Hashtag #CivilDisobedienceMovement wurde auf Twitter bereits mehr als 1,2 Millionen Mal geteilt. Die Militärführung sperrte inzwischen das Online-Netzwerk Facebook.

Die Proteste lösten Sorge aus, dass das Militär wie in der Vergangenheit mit Gewalt antwortet. In fast fünf Jahrzehnten Militärdiktatur hatte die Junta jeglichen Widerstand brutal niedergeschlagen. Besonders hart war das Vorgehen bei der «Safran-Revolution» von 2007, als Hunderttausende auf den Straßen demokratische Reformen forderten. Die friedlichen Demonstrationen wurden von den Militärs mit Tötungen und Folter beendet. Hunderte buddhistische Mönche und Oppositionelle kamen ins Gefängnis.

Amnesty International äußerte die Sorge, dass sich die Gewalt wiederholen könnte. «Wir fordern die Streitkräfte nachdrücklich auf, Zurückhaltung zu üben und die internationalen Menschenrechte und das humanitäre Recht einzuhalten», so die Menschenrechtsorganisation. Der Erzbischof von Rangun rief dazu auf, Suu Kyi und die anderen Festgenommenen umgehend freizulassen. Kardinal Charles Maung Bo warnte zugleich aber auch vor internationalen Sanktionen: «Durch Sanktionen könnte die Wirtschaft zusammenbrechen, was Millionen in die Armut stürzen würde.»



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Von Veritatis