Von Elias Huber

Das Meinungsklima ist derzeit wohl so angespannt wie nie in der Geschichte der Bundesrepublik. Themen wie die Corona-Maßnahmen oder die Masseneinwanderung spalten Familien, Freunde, ja sogar Ehepartner. Wer sich politisch unbequem unter Klarnamen äußert, riskiert viel – manchmal sogar die berufliche Existenz.

Dessen ist sich auch ein Sozialarbeiter (m/w) bewusst, der sich bei reitschuster.de meldet. Der Familienvater will über seine Arbeit im Bereich Kinderschutz bei einem Jugendamt sprechen. Über massive Probleme in Folge des Lockdown, die der Öffentlichkeit kaum bekannt sind. Doch der Artikel kommt nie zustande. Der Grund: Der Mann hat zu große Angst. Sein Arbeitsvertrag verbietet ihm, mit der Presse zu sprechen, ohne dies dem Arbeitgeber anzumelden. Das wäre ein fristloser Kündigungsgrund.

Angefangen hat alles mit einer E-Mail im Januar. Darin bedankt sich der Mann für den “Mut und Kampfgeist” von Boris Reitschuster. “Menschen wie sie geben mir Hoffnung, denn ich verzweifle in dem Gefühl, machtlos zu sein”, sagt er. Dann schildert er vieles, was seiner Meinung nach schief läuft, und schließt: “Man kann es drehen und wenden wie man will, letztendlich sind die Kinder immer die Leidtragenden.”

Es kommt zu weiterer Kommunikation. Der Mann wird zunehmend unruhig, nervös. Es ist offensichtlich, dass er sich nicht sicher ist, ob er an die Öffentlichkeit gehen möchte. Obwohl reitschuster.de ihm volle Anonymität zugesichert hat – keine Angaben zu Wohnort, Geschlecht oder beruflichen Details, die ihn verraten könnten.

Dann sieht es so aus, als ob der Sozialarbeiter den Schritt wagen würde. In einer Mail schreibt er Anfang Februar: “Es erschreckt mich selbst, wie viel Angst ich schon habe, die Wahrheit zu sagen. Noch vor einem Jahr hätte ich mir das niemals vorstellen können.” Und er sagt weiter: “Auch wenn es nur ein kleiner Beitrag war, so habe ich wenigstens das Gefühl, nicht tatenlos zugesehen zu haben.”

Doch die mögliche Veröffentlichung ließ dem Mann keine Ruhe. Wenige Stunden später, um drei Uhr nachts, meldet er sich erneut und schreibt, dass er keinen Artikel wünsche. Er hätte nicht mit der Presse sprechen dürfen, das könne ein Verstoß gegen seinen Arbeitsvertrag sein.

“Ich kann Ihre Befürchtungen nachvollziehen”, antwortet reitschuster.de. Aber es sei unwahrscheinlich, dass das Jugendamt von einem Interview erfahre, das der Sozialarbeiter unter voller Anonymität gebe. Zudem dürfte die Öffentlichkeit ein großes Interesse haben, den Bericht eines Jugendamt-Insiders zu lesen. Bislang sei schließlich noch kein entsprechender Artikel erschienen. Und die Bundesregierung habe auch wenig zu den psychischen Folgen des Lockdown mitgeteilt, besonders auf die Kinder (siehe hier).

Der Mann schreibt daraufhin: “Es tut mir leid, aber meine Angst ist einfach zu groß. (…) Möglicherweise finden Sie andere Mitarbeiter eines Jugendamtes, die mutiger sind.” Damit endet der Email-Austausch.

Die Episode zeigt, wie tief die Angst inzwischen bei vielen Menschen sitzt. Auch bei gutmeinenden, eigentlich couragierten Personen. Selbst eine Veröffentlichung unter voller Anonymität bereitet in Deutschland 2021 schlaflose Nächte. Ist es nicht verrückt – ja sogar ungeheuerlich -, dass ein Sozialarbeiter mit Arbeitsplatzverlust rechnen muss, wenn er auf Missstände im Kinderschutz-Bereich aufmerksam macht? In einem funktionierenden System der Kinder- und Jugendhilfe würde er befördert und müsste sich nicht an die Presse wenden.

Gleichzeitig wachen aber immer mehr Deutsche auf. Und befreien sich von der Angst vor Konsequenzen, die sie sich in ihrer Vorstellung ausmalen.

Falls also Sie, lieber Leser, beim Jugendamt arbeiten und öffentlich machen wollen, wie es Kindern aus Problemfamilien gerade ergeht, dann melden Sie sich. Anonymität garantiert.

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Elias Huber arbeitet als freier Journalist in Frankfurt am Main.
Bild: ChameleonsEye/Shutterstock
Text: eli

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