Liebe Leser, hier kommt eine Abituraufgabe aus dem realen Leben. Extra für Sie. Achtung, es geht los: An einem Gymnasium im hippen Bezirk Berlin-Mitte wählten Abiturienten Themen für ihre Motto-Verkleidungswoche. Eines der gewählten Themen wurde als „offensive“ beanstandet. Welches Thema war es?

Gewählt wurden: 1. Hip-Hop, 2. Nutten und Zuhälter, 3. Kindheitshelden, 4. Assis, 5. Zeitreise.

Also, was meinen Sie: An welchem Thema wurde Anstoß genommen? Begründen Sie Ihre Antwort! Verwenden Sie dabei die Begriffe „Politische Korrektheit“, „Diskriminierung“ und „Beleidigung“. Machen Sie einen Vorschlag, wie das Thema umbenannt werden könnte. Easy, oder? Na klar, die Lösung ist: „Nutten und Zuhälter“. Eine Umbenennung zu „Nutt:innen und Zuhälter:innen“, wie manche Schüler*Innen witzelten, ist allerdings nicht ausreichend. „Lack und Leder“ bietet sich hingegen an. Und das wurde dann auch genommen. Feinfühlig wurde eine borniert-geschmacklose Provokation vermieden und Spaß erhalten. Prima! Moment, hatten Sie, liebe Leser, etwa kurz überlegt, ob eine Verkleidung als „Assi“ vielleicht, möglicherweise, irgendwie … Oder hatten Sie sich gar gefragt: Wie sieht ein Assi überhaupt aus? Wie ein Banker? Wie ein Immobilienspekulant? Wie ein SUV-Fahrer? Nee, oder? Die „kreativen Köpfe und Sockenfreaks“ von Fundmate beschreiben den beliebten und bewährten „Assi-Look“ so: „Eine Plastiktüte als Schultasche, Plastikbierflaschen und andere Pfandflaschen als Accessoire, Jogginganzug mit Feinripphemd, Goldketten und Cap ist meist das Outfit für die Herren. Für die Frauen gibt es ein farbenfrohes Zusammenspiel aus buntem Trainingsanzug, großen Creolen und ein sehr auffälliges Make-up – häufig in Blau- und Pink-Tönen. Der Babybauch aus Kissen ist auch immer ein beliebtes Detail.“ Sofatutor ergänzt: „Als Accessoires dürfen natürlich ein dreckiges Unterhemd, Latschen und ein leichter Körpergeruch nicht fehlen.“ Und Uniturm, das freie Wissensnetzwerk, erklärt: „Am ,Asi‘-Tag darf ausnahmsweise mal auf Stereotypen gesetzt werden.“ Ach so, deshalb ist das okay. Aber: Mal angenommen, die als „Assi“ verkleideten Abiturienten, ich nenne sie mal „Assis im Herzen“, treffen auf dem Weg zur Schule einen „Assi in Style“, der ihnen – sozial, wie er ist – einen Schluck aus seiner Bierflasche anbietet.

Was dann? Nehmen die „Assis im Herzen“ das Angebot an? Oder – man ruft ihnen zu: „Alter, so einen Jogginganzug hätt ich auch gern.“ Dann sagt der verkleidete Abiturient vielleicht: „Weißte was, ich schenk ihn dir. Ich brauch ihn nur noch heute.“ Leider hat der Abiturient nicht bedacht, dass sein Angebot Fragen aufwirft. „Wieso? Läufste morgen nackt rum, oder wie?“ – „Nee, das ist nur mein Verkleidungs-Jogginganzug, kannste haben.“ – „Krass, Verkleidung als was denn?“ Der Abiturient zögert, räuspert sich, nimmt einen Schluck aus der angebotenen Bierflasche, dann – gerade als er sich auf das Thema „home-schooled“ rausreden will – ruft es von hinten: „Hey, sehr nice, euer Assi-Look“. Eine Mitschülerin schiebt ihren Sofakissenbauch zwischen die beiden, guckt, schnuppert, fragt den „Assi in Style“: „In welchem Kurs waren wir noch mal zusammen? Man kennt sich ja gar nicht mehr wegen Scheiß Corona. Aber, voll stabiles Outfit. Sogar mit Geruch. Respekt!“

Immerhin machen „Assis im Herzen“ auch vor sich selbst nicht halt. Für das Abibuch teilen sich alle Schüler gegenseitig in Kategorien ein: der/die mieseste StonerIn, der/die StreberIn, das Partyhuhn, der/die SchleimerIn, wohnt noch mit 40 bei Mutti, wohnt mit 30 allein im Wald … Was hier merkwürdigerweise fehlt, ist: Assi. Das wäre doch auch eine sehr feine Kategorie.



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Von Veritatis