Deutschland hat – wen wundert es – mal wieder ein Impfproblem und es geht einmal mehr um den Impfstoff von AstraZeneca. Der steht nun zwar zur Verfügung, findet jedoch kaum Absatz. Offenbar ist die Impfbereitschaft der Bevölkerung doch nicht so groß, wie es sich die Regierung erhofft hat. Das ist aber kein Problem. Ganz im Gegenteil. Denn wenn man nun den starren in Prioritätsgruppen unterteilten Impfplan verwerfen und die Impfstoffe einfach für alle Interessenten freigeben würde, wäre dies ein goldener Weg aus dem ganzen Albtraum. Denn wenn jeder besorgte Bürger sein Impfangebot bekommt, fällt die Begründung für Maßnahmen und Lockdowns weg. Und so paradox es klingen mag: Je weniger Menschen sich impfen lassen wollen, desto schneller könnte dieses Ziel erreicht werden. Ein Debattenbeitrag von Jens Berger.

An diesem Montag wurden nach Angaben des SPIEGEL in Deutschland nur rund 25.000 Dosen des Impfstoffes von AstraZeneca verimpft. Am Angebot liegt es nicht. Die Länder sitzen zur Zeit auf mehr als 1,1 Millionen Dosen und am Wochenende kommt bereits die nächste große Lieferung über 650.000 Dosen an. Es hapert jedoch an der Nachfrage. Allein im Impfzentrum in Köln sind mittlerweile 4.500 Dosen übrig, weil die angeschriebenen Bürger ihre Impftermine ausfallen lassen oder absagen.

Zur Zeit sind es vor allem Beschäftigte aus den Gesundheitsberufen, Ärzte, Pfleger, Krankenschwestern, denen ein Impfangebot gemacht wird. Wenn gerade diese Gruppe das Impfangebot nicht wahrnimmt, lässt dies aufhorchen. Offenbar ist die Impfbereitschaft deutlich geringer als es uns tagtäglich kommuniziert wird. Aktuelle Umfragen gehen von rund einem Drittel „Impfunwilliger“ aus. Es könnten jedoch auch deutlich mehr sein.

Und bist Du nicht willig, so brauch´ ich Gewalt. Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, wohin diese Reise geht. Das erklärte Ziel der Bundesregierung ist es schließlich, mit der Impfung eine weitreichende Immunisierung der Bevölkerung zu erreichen. Dann – so wird es als fernes Licht am Ende des Tunnels projiziert – könne man auch zur Normalität zurückkehren und diesen Albtraum hinter sich lassen.

Die Zielsetzung einer weitreichenden Immunisierung ist im Prinzip ja richtig; nur dass ein Zurück zur Normalität natürlich auch ohne Massenimpfung möglich ist. Denn die Immunität wird ohnehin kommen – bei den Einen durch Impfung und bei den Anderen durch eine durchgemachte Infektion, die aus rein immunologischer Sicht auch „nur“ eine Impfung mit oft schweren Nebenwirkungen ist. Zu beobachten ist dies zur Zeit in Indien, wo „trotz“ fortwährender Lockerung der Maßnahmen die Infektionszahlen massiv zurückgehen. Offenbar ist das im Frühjahr und Sommer letzten Jahres besonders hart von Corona getroffene Land bereits auf dem Weg zu einer natürlich erlangten Herdenimmunität. Es soll hier jedoch nicht um das Für und Wider einer Herdenimmunitätsstrategie gehen. Das sind Debatten, die Epidemiologen unter sich führen können.

Kommen wir lieber zum Grundsätzlichen: Warum verhängt ein Staat bei einer Pandemie Lockdown-Maßnahmen mit massiven direkten und indirekten Kollateralschäden? Die Antwort: Um Menschen, die nicht an Covid-19 erkranken wollen, zu schützen. Dafür nimmt man dann in Kauf, dass auf der anderen Seite Menschen durch die Maßnahmen geschädigt werden. Dies ist eine Abwägungsfrage, deren Ausrichtung auch auf den NachDenkSeiten kritisch gesehen wird. Welche Berechtigung hat diese Begründung jedoch, wenn man jedem Bürger, der dies will, den Schutz vor Covid-19 auch auf andere Art und Weise gewährleisten kann?

Wenn jedem Bürger ein Impfangebot gemacht wird, entfällt die Begründung der Maßnahmen. Wer durch eine Impfung geschützt ist, muss nicht mehr durch Maßnahmen geschützt werden, die massive Kollateralschäden mit sich bringen und andere Menschen schädigen. Die Maßnahmen „müssen“ dann nicht – so wie es derzeit seitens der Regierung ja Sprachregelung ist – in verschiedenen Stufen so lange aufrechterhalten werden, bis alle Bürger geimpft sind. Sie „dürften“ vielmehr nur so lange eine Option sein, bis jeder Bürger, der dies auch will, ein Impfangebot erhalten hat. Und wer dieses Angebot nicht annimmt, kann auch nicht fordern, dass andere Menschen für das eigene Sicherheitsempfingen massiv geschädigt werden. Das wäre unsolidarisch.

Jeder Bürger entscheidet selbst, welches Risiko er eingehen will. Und wenn trotz medialen Trommelfeuers ein großer Teil der Bevölkerung nicht durch eine Impfung geschützt werden will, dann ist dies vollkommen in Ordnung. Das beliebte Argument, wer sich nicht an die Maßnahmen halte, gefährde Andere, wäre dann obsolet. Wer das Impfangebot annimmt, ist ja geschützt. Und wer es ablehnt, geht das Risiko einer Infektion freiwillig ein und muss nicht durch Maßnahmen geschützt werden.

Nun könnte man als Verfechter der Lockdown-Politik natürlich einwenden, dass es auch Aufgabe der Politik sei, Bürger im Zweifelsfalle auch vor ihrer eigenen „Unvernunft“ zu schützen. Doch dieses Argument zieht hier nicht, da es sich hierbei nicht nur um eine individuelle Entscheidung über die eigene Gesundheit handelt. Durch den Lockdown werden schließlich Andere – und dies ohne deren Einverständnis – massiv geschädigt. Die Abwägung „Schutz vor Covid“ vs. „Kollateralschäden“ stellt sich vollkommen anders, wenn es ein Impfangebot gibt. Der Flaschenhals ist hierbei eher das Impfstoffangebot. Es steht zu wenig zur Verfügung – und dies offenbar auch, weil Menschen ein Angebot gemacht wird, die dieses Angebot gar nicht wahrnehmen wollen.

Das Ziel, jedem Impfwilligen ein Angebot zu machen, ist um so schneller zu erreichen, je weniger Menschen sich freiwillig impfen lassen wollen. Wo ist also das Problem? Machen wir doch einfach jedem, der sich impfen lassen will, ein Angebot, lassen den Rest der Bevölkerung in Ruhe und beenden diesen Albtraum. Je eher, desto besser. An der Verfügbarkeit der Impfstoffe sollte dies zumindest mittelfristig nicht scheitern: Deutschland hat zur Zeit verbindlich mehr als 318 Millionen Impfdosen bestellt! Damit könnte man das gesamte Land gleich zweimal impfen.

Titelbild: Da Antipina/shutterstock.com



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Von Veritatis