Yangon (dpa) – Trotz der Militärgewalt in Myanmar dauern die landesweiten Proteste gegen die neue Junta an. Viele Demonstranten versuchten am Dienstag, sich mit selbstgebauten Barrikaden gegen die Einsatzkräfte zu schützen.

«Wir versuchen, unser Stadtviertel mit Barrikaden abzusperren, denn wenn wir uns nicht verteidigen können, dann werden sie in unsere Straßen kommen und uns töten», sagte der 33-jährige Kyaw Kyaw aus dem Stadtteil Thaketa in der größten Stadt Yangon (früher: Rangun).

Die Lage hat sich seit dem Wochenende zugespitzt. Nach Angaben der Gefangenenhilfsorganisation AAPP sollen allein am Sonntag 74 Menschen von Polizisten oder Soldaten getötet worden sein, die meisten davon in Yangon. Am Montag habe es erneut 20 Todesopfer gegeben. «Die Todeszahlen steigen drastisch», so die Organisation. Insgesamt seien seit dem Putsch vom 1. Februar mindestens 183 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 2100 wurden zumindest vorübergehend festgenommen.

Das besonders schlimm betroffene Arbeiterviertel Hlaing Tharyar in Yangon gleiche einem «Kriegsgebiet», berichtete ein Augenzeuge der Deutschen Presse-Agentur. Mehr als 50 Militärfahrzeuge seien angerückt, und Soldaten hätten ununterbrochen Schüsse abgefeuert und die Anwohner beschimpft, erzählte der Demonstrant Htay Aung. Viele Wanderarbeiter, die in Hlaing Tharyar lebten, seien aus Verzweiflung in ihre Dörfer zurückgekehrt.

Die Generäle hatten nach dem Putsch die faktische Regierungschefin Aung San Suu Kyi in Gewahrsam genommen und einen einjährigen Ausnahmezustand verhängt. Die Demonstranten fordern die Rückkehr zu demokratischen Reformen, die Freilassung der unter Hausarrest gestellten Suu Kyi und die Wiedereinsetzung ihrer zivilen Regierung. Die 75-Jährige hatte die Parlamentswahl im November klar gewonnen.

Das Welternährungsprogramm (WFP) warnte am Dienstag, dass seit dem Umsturz die Preise für Lebensmittel und Benzin in manchen Regionen stark gestiegen seien. Dieser Trend sei besorgniserregend, insbesondere für die am stärksten gefährdeten Menschen, die bereits jetzt Probleme bei der Nahrungsbeschaffung hätten, sagte Stephen Anderson, Länderdirektor des WFP in Myanmar. «Wir beim WFP wissen nur zu gut, wie schnell Hunger entstehen kann, wenn Frieden und Dialog außer Kraft gesetzt werden», so Anderson.

 

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Von Veritatis