Bild: Guggenbichler; Freepik

Weil sie einen gesunden Tee produziert, muss die Kräuterbäuerin Lydia Stumptner (31) aus Bad Leonfelden nun eine Verwaltungsstrafe von 678,50 Euro bezahlen.

Ihr Tee, den sie im „Wagnergut“ ihres Mannes in Schönau herstellt und verkauft, enthält zwar nachweislich nur gesunde Ingredienzien wie Salbei, Ringelblume, Thymian, Pfefferminze und Kamille, dennoch darf sie nicht den Hinweis „Wieda g’sund Tee“ auf die Packung schreiben.


Begriff „gsund“: Pharma-Firmen vorbehalten

„Das dürfen nämlich nur Pharma-Firmen“, sagt Lydia, die das nicht gewusst hat. Sie könnte ihren Tee von einem anerkannten Gutachter zwar zertifizieren lassen, um den Begriff „g’sund“ verwenden zu können, doch dies müsste sie selbst teuer bezahlen, auch wenn klar ist, dass an den pflanzlichen Grundprodukten nichts ungesund ist. Die Behörde, die Bezirkshauptmannschaft Murtal in der Steiermark, wo eine Lebensmittelinspektorin in Fohnsdorf ein Geschäft kontrolliert hatte und dabei auf Lydias Tee stieß, stützt sich dabei auf eine EU-Verordnung.

Zehn Stunden in Arrest

Unwissenheit, so heißt es, schützt zwar vor Strafe nicht, doch dass die Verwendung der Bezeichnung „g’sund“ für ihre Tees nur Pharma-Firmen gestattet ist, wie auch die Höhe des verhängten Bußgeldes empfindet Kräuterbäuerin Stumpner als „eine Frechheit“. Das Ausmaß der Strafe stünde nämlich in keiner Relation zu ihrer Verfehlung. Sollte sie nicht bezahlen wollen oder können, müsste Lydia ersatzweise zehn Stunden in den Arrest. Sie hat Einspruch gegen die Strafverfügung der BH Murtal erhoben.

Hinweis um 0,05 Millimeter zu klein!

Außerdem bekrittelte die Lebensmittelinspektorin, dass auf Stumptners Teepackung das Mindesthaltbarkeitsdatum fehle und die für die Lagerhaltung verwendete Schrift „unter dem vorgegebenen Maß von 1,2 Millimeter“ liege. „Mein aufgedruckter Hinweis war um 0,05 Millimeter zu klein“, seufzt Lydia, die dachte, alles richtig gemacht zu haben. Doch in diese EU-Vorschriftenfalle könnten möglicherweise noch mehr Menschen tappen, vermutet sie und meint sarkastisch: Was ist mit den kräutersammelnden Omas, die Tees für ihre Enkel fabrizieren und ihnen diese in einem Sackerl mit der händischen Aufschrift „g’sunder Tee“ überreichen und dafür Blumen als Belohnung kassieren?

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Von Veritatis