Bild: Guggenbichler

Wer in Vorarlberg mit mehreren Leuten die Natur erwandern möchte, sollte tunlichst darauf achten, „zugewiesene Sitzplätze“ mitzuführen, damit das Vorhaben nach den jüngsten Verordnungen als Veranstaltung durchgehen und abgewickelt werden kann. Dümmer geht’s schon nimma!

Von Kurt Guggenbichler

Dass im „Ländle“ mit seinen niedrigen Inzidenzzahlen das Leben für die Menschen jetzt leichter wäre, kann man so nicht sagen. Veranstaltungen mit maximal 100 Personen in geschlossenen Räumen sind zwar erlaubt, doch Trekkingtouren mit Alpakas in einzelnen kleinen Gruppen an der frischen Luft sind verboten.
Michael Müller aus Thüringerberg bei Bludenz versteht die Welt nicht mehr. Er bietet dort geführte Alpaka-Touren an, ist zurzeit aber zum Stillstand verdammt. „In Normalzeiten wären wir ausgebucht“, sagt er, doch gerade jetzt, wo Bewegung so notwendig wäre, speziell für Kinder, gehe nichts.

Kopfschütteln über Verordnung

Die Sinnhaftigkeit des Verbots für seine Touren kann er nicht verstehen. In einem langen Mail-Verkehr mit seiner Landesregierung hat er zu eruieren versucht, unter welchen Bedingungen er seine Wanderungen doch noch anbieten könnte, dann aber erfahren müssen, dass es „leider“ unter gar keinen Umständen möglich sei – nicht einmal mit Eintrittstests. Die Begründung verursacht bei Müller Kopfschütteln. Es gebe bei seinen Wanderungen nämlich „keine zugewiesenen Sitzplätze“, war eines der Hauptargumente der Behörde. Machbar wären – wenn überhaupt – ohnehin nur Touren mit maximal vier Personen aus maximal zwei Hauhalten.

Keine frische Luft – Alpakas müssen im Stall bleiben

„Da wir die Touren immer zu zweit begleiten, wären wir schon sechs Personen aus zwei, möglicherweise sogar drei Haushalten“, erläutert Müller, weshalb die Alpakas im Stall und die Interessenten zu Hause bleiben müssen. Dabei könnten solche Ausflüge mit viel Bewegung an der frischen Luft enorm dazu beitragen, das Immunsystem zu stärken, und zum anderen wäre es auch eine schöne Abwechslung für Kinder, deren Psyche durch Corona ohnehin schon genug belastet ist, sagt Michael Müller.

Touren entspannend und gut für die Gesundheit

Ihm geht es dabei auch mehr um die Gesundheit und weniger ums Geschäft, zumal Michael die Trekkingtouren ohnehin nur im Nebenberuf betreibt. Denn die Touren mit den Alpakas, die Verwandte der Lamas sind, seien „unheimlich entspannend“, betont Müller, der durch Zufall auf die Beschäftigung mit diesen Tieren verfiel. Im Mai 2018 hatte er sich zunächst fünf Alpakas gekauft (heute sind es schon sieben) und auf dem alten Bauerngrundstück seines Opas mit der Züchtung der Tiere und den Trekking-Touren begonnen.

Kein Geld aus Härtefond

Die Menschen seien sofort aufgesprungen auf dieses Freizeitvergnügen und auch seine Single-Dating-Wanderungen würden sich großer Beliebtheit erfreuen, sagt Müller. Zurzeit sei sein Betrieb quasi behördlich geschlossen, doch Anspruch auf Entgelt aus dem Härtefallfond habe er als Nebenerwerbler nicht, Steuern zahlen dürfe er aber schon.



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Von Veritatis