Mir geht es nicht darum, jemandem Vorwürfe zu machen, Schuld zuzusprechen oder dergleichen. Schuld und Scham nützen keinem etwas. Es geht darum, etwas zu lernen und dann ins Tun zu kommen. Es ist dringend notwendig — um die Not zu wenden —, die Wahrheit einmal anzuschauen, auch wenn es weh tut, auch wenn es peinlich ist, auch wenn man es doch all die Jahre nicht wissen, nicht sehen, nicht hören wollte, weil es so störend war.

Die bequeme Wohlstandsruhe, darum ging es doch. Das eigene kleine Leben so nett wie möglich zu machen, was dem ein oder anderen mehr oder weniger gelungen ist oder vielleicht noch gelingen könnte. Und was gingen mich denn mein Bruder oder meine Schwester an, dort in derselben Stadt, die auf der Straße leben mussten oder in einer kleinen Mietwohnung verstarben, und wochenlang hat es niemand bemerkt? Oder die geschlagen und mißhandelt wurden, nebenan, man hat es gehört, man hat es geahnt, ja, gewusst, doch mischt man sich ja nicht in die Angelegenheit anderer Leute ein, nicht wahr, als anständiger Bürger schaut man weg.

Und für die armen hungernden Kinderlein in Afrika oder sonstwo, da hat man schon auch mal ein paar Groschen gestiftet, das muss ja wohl reichen, was hab ich denn mit Afrika zu tun, wenn die dort nicht in der Lage sind, mit Fleiß und Anstrengung ihr Schicksal besser zu richten! Schließlich bekomme ich hier ja auch nichts geschenkt, muss mir meinen Wohlstand auch hart erarbeiten.

Wir haben lange schon rund um die Uhr die Möglichkeit, an alles Wissen und an alle Informationen zu kommen, die wichtig und nötig sind, um als aufrechter und informierter Mensch in einer Welt voller Mitmenschen, für die wir mitverantwortlich sind, das zu tun, was unsere Aufgabe ist: eigenverantwortlich aus freiem Entschluss endlich, nach so vielen dunklen Jahrhunderten, diese Welt zu einem lebensbejahenden Lebensraum zu gestalten, in welchem alle Menschen sich gerne und frei entfalten und entwickeln können zum Höchsten, zu dem sie fähig sind. Schöne Sprüche wie man sei nur dann glücklich, wenn auch der Mitmensch glücklich sei, kursieren überall; jeder kennt das, und beim Lesen stimmt man zu und freut sich über diesen erbaulichen geistigen Erguss. Aber zuständig dafür fühlten wir uns wohl nicht, oder?

Wir waren zu beschäftigt, beschäftigt mit alldem, was wir für unser kleines Glück hielten, und haben es konsumiert, gedankenlos, empfindungslos gegenüber der Not überall. Und nun fliegt uns unser ganzes hohles, gestohlenes und verlogenes Glück gehörig um die Ohren und droht uns alle auszulöschen. Wachen wir daran auf? Oder machen wir gerade genau so weiter?

Was geht es uns denn heute an, was um uns und in der Welt geschieht? Wenige kann ich erkennen, die nun über ihren eigenen Tellerrand schauen und nicht ertrinken in „Ich Ich Ich“.

Die meisten stecken immer noch im selben Sumpf, bis zum Halse; die wichtigsten Anliegen sind wohl der Friseurbesuch und wann man denn mit ein paar „Lockerungen“ — ein Begriff aus dem Strafvollzug für Häftlinge, die lange genug brav und fügsam waren — rechnen könne und mit einer Fahrt nach Mallorca. Wenn es wenigstens „nur“ dabei bliebe, könne man ja schon zufrieden sein, es wäre immerhin ein Fortschritt, jedenfalls zu „damals“. Doch dabei bleibt es nicht, es bleibt nicht bei all den Unterlassungssünden, bei der ewigen Verweigerung, nun Verantwortung zu übernehmen für das, wofür man selbst mitverantwortlich ist.

Zu allem Überfluss darf man anscheinend mitten im Verderben und dem geplanten Untergang der Menschheit mit Tatsünden nicht sparen. Mit einem regelrechten, wohl urdeutschen Kadavergehorsam trägt man seinen Teil dazu bei, diesen Vernichtungskrieg so reibungslos wie möglich zu unterstützen. Ein „Hinterher“ wird es nicht geben, doch gäbe es ein solches, könnte man ja in gewohnter Manier sagen, man habe nichts gewusst, man habe das nicht geahnt, trotz all der Aufklärung in jeder Stadt, wöchentlich, auf den Straßen. Zusätzlich vergisst man seine digitalen Online-Möglichkeiten, alles herauszufinden, was man will — falls man es will, und man will nicht. So läuft man den Rattenfängern hinterher, ahnend, dass es Rattenfänger sind, und fühlt sich wohl, ist man doch Teil der Mehrheit und folgsam und deshalb keiner Drangsal ausgesetzt. Man wähnt sich auf der Seite der „Guten“, wissend, dass diese Definition von den Bösen gemacht wird, denen man sich unterwirft.

Doch reicht das vielen nicht, der leere Gehorsam schmeckt nicht, er braucht eine Würze, die man mit einer kleinen Portion Macht schon bekommen kann.

Auch ein „Zwerg“ kann heute, mit einem faden Papier ausgerüstet, Herrscher spielen in seinem kleinen gelangweilten Leben. Genügt es doch, ein Ladengeschäft zu haben und mit „Hausrecht“ unbequemen Menschen den Eintritt zu verwehren, ganz „zu Recht“ natürlich!

Alle Verbrechen in der Menschheitsgeschichte konnten sich auf geltendes Recht berufen! Auch „damals“ im Übrigen. Oder man kontrolliert rabiat und konsequent die vollständige Unterwerfung bei restlos allen, derer man habhaft werden kann, in Bus und Bahn als kleiner Fahrkartenknipser etwa oder an öffentlichen Plätzen. Doch viel beglückender ist dies, hat man eine Uniform an und Waffen am Gürtel, denn das erlaubt sogar die Anwendung auch von körperlichen Grausamkeiten. Nur auf Befehl natürlich und nur, weil es hierfür eine Rechtsgrundlage zu geben scheint, natürlich. Und ganz offensichtlich voller Lust an mittelalterlichen Methoden der Ketzerverfolgung auf Teufel komm raus.

Letztlich ist jeder Egoismus und jede kleine oder größere Grausamkeit in jedem einzelnen Menschen in seiner Gesamtheit DAS BÖSE, ebenso wie es auch das Wegschauen, Schweigen und Dulden dessen ist. Und nur dieses Böse, welches nun so viele unserer Mitmenschen tagtäglich aus freiem Entschluss und mit mehr oder weniger abscheulicher Genugtuung ausüben, nur dieses ist es, was uns alle, die Menschheit überall, letztlich vernichten wird. Nein, es ist nicht die Merkel, der Spahn, der Lauterbach und nein, es ist nicht der Bill Gates und nicht der Klaus Schwab. Wären es nur sie allein, könnten sie herumkaspern und beschließen, so viel sie wollten, es hätte keinerlei Auswirkungen, wir könnten sie sogar einfach nur auslachen. Doch das tun die Menschen nicht.

Stattdessen machen sie sich millionen- und milliardenfach zu willigen Handlangern und Vollstreckern. Wir sind es und unsere Mitmenschen, die diese Vernichtung, diesen Krieg möglich machen, ja, die ihn führen. Einen Vernichtungskrieg, von wenigen Psychopathen da oben beschlossen und von Milliarden Vollstreckern willig umgesetzt, den vielen, die diesen Krieg Realität werden lassen, jeden Tag, mit jeder ihrer Entscheidungen. Und was ist mit mir? Und was ist mit dir?

Wo ist unser Widerstand wirklich, den wir nun zu unserer Hauptaufgabe erklären und danach handeln müssten? Genügt ein kleiner Wochenend-Widerstand ab und zu beim Konsum einer netten Demo? Genügt es, vielen Telegram-Kanälen beizutreten und dort in den endlosen Jammergesang einzustimmen? Müssten wir nicht jetzt alles geben, wissend um unsere Jahrzehnte währenden Versäumnisse? Müssten wir uns nicht endlich auch bequemen, die Heilmittel anzuschauen, uns damit beschäftigen, sie in die Welt zu bringen, nachdem wir jetzt allzu lange menschenverachtende Systeme aufgebaut und unterstützt haben? Wie lange wollen wir diese noch ignorieren, sie belächeln oder diffamieren angesichts unserer Leistungen des Verderbens, welches wir, besserwissend, fast zur Vollkommenheit entwickelt haben?

Wenn wir mit nüchternem und klarem Denken die Vorgänge betrachten, so haben wir das Ziel unserer Entwicklung als Mensch, insbesondere die Schaffung von lebensfördernden Bedingungen, nicht erreicht, und es ist auch in der Ferne kaum noch auszumachen, weil der geistige Pulverdampf des Schlachtengetöses alles verfinstert:

Es geht um die Überwindung des Einheitsstaates mit seiner dreifachen Gliederung und um die Überwindung des Grenzen bildenden Nationalismus in eine gemeinsame Welt des brüderlichen gegenseitigen Helfens anstelle des gnadenlosen Machtkampfes um das Fettwerden der „Tüchtigsten“, besser muss ich wohl sagen der Grausamsten und Rücksichtslosesten. Die Entflechtung des sozialen Organismus, des Lebensraumes der Menschen, in die Bereiche der Freiheit im Geistesleben, der Gleichheit im Rechtsleben und der Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben.

An deren Stelle steht derzeit das Regiment des schamlosen Egoismus, wie ein undurchdringliches Dornengestrüpp, welches uns unerbittlich an jeder freien Bewegung hindert, die die Voraussetzung für jegliche Entwicklung von echtem und beglückendem Lebens ist. Und über allem thronend, haben wir ein allmächtiges, technokratisches Staatswesen erschaffen, welchem wir nun hörig sind wie Abergläubische einem grausamen Gott. Ein Staatswesen, das in seiner kalten Machtgier alles verschlingt und vernichtet, anstatt den Menschen zu dienen.

Erkenntnis fällt uns ohne Mühe nicht in den Schoß, und aus der Erkenntnis zu handeln, dazu bedarf es des unbedingten Wollens, ohne als Ergebnis wieder nur die Befriedigung des Egoismus zu sehen. Wohlstand für alle bedeutet nicht materiellen Wohlstand, sondern in einem höheren Sinn die immer anzustrebende Vervollkommnung im Geistigen, vorausgesetzt dass man es in diesem Materialismus schafft, die Verleugnung des Geistigen abzulegen und anzuerkennen, dass der Mensch eben nicht nur ein mechanischer Körper ist, welcher ja jetzt zur Maschine „verbessert“ werden soll. Das müssen wir endlich einsehen, jetzt, am tiefsten Punkt, von dem wir ausgehen müssen, an den wir uns selbst gebracht haben.

Ostern als das Fest der Auferstehung ist nicht mehr fern. Es ist zu hoffen, dass wir es doch noch schaffen, unsere Auferstehung aus dem herrschenden Materialismus und dem ewigen Wohlstandsschlaf zu beginnen.

Die Zeit läuft davon, die Technokraten und ihre willigen Vollstrecker machen langsam den Sack zu. Doch da wir so lange gesäumt haben, kann diese Not nur noch abgewendet werden durch den vollen Einsatz der wenigen, die dazu bereit sind — und auch dies wird nötig sein: Opfergaben an die Menschheit. Wer wirklich Verantwortung übernimmt, übernimmt auch die Verantwortung für seine Versäumnisse.


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Von Veritatis