Es gibt Momente, da verzweifle ich an dem, was ich aktuell in Deutschland erlebe. Heute nach der Bundespressekonferenz war so ein Moment. Wie immer habe ich dort heute meine „Aufsager“ gemacht, also meine kurzen Kommentare zur Veranstaltung für mein Video. Regelmäßig sind dabei Kollegen und Regierungssprecher an oder hinter mir vorbeigegangen, und oft habe ich andere Kollegen gesehen, die dort ihre Aufsagen machen. Immer ohne Maske. Genauso wie die Gäste der Bar im Erdgeschoss, die oft im Foyer oder an den beiden fest verbauten Stehtischen einen Schluck nehmen. Heute waren im Umkreis von geschätzt fünf Metern von mir keine anderen Menschen. Umso größer war meine Überraschung, als plötzlich der Pförtner – ein ausgesprochen freundlicher und liebenswerter Mann, den ich sehr schätze -, auf mich zukam und mich bat, ich möge die Maske aufsetzen. Es war ihm sichtbar unangenehm, aber er sagte, er müsse es, es habe eine „Meldung“ gegeben. Kurz zuvor waren die Kollegen Tilo Jung und Hans Jessen hinter mir vorbeigegangen, und sie haben die ganze Szene sehr aufmerksam beobachtet. Ich kann nicht sagen, wer die „Meldung“ erstattet hat. Aber ich fand die Szene bizarr. Ich denke, Sie sollten sie sich selbst in meinem Video ansehen (ab Minute 17.38) – das ist viel aussagekräftiger als alles, was ich dazu sagen kann. Bereits im vergangenen Jahr hatte sich Jung übrigens bei genau dem gleichen Pförtner beschwert, dass ich statt einer Maske einen Schal als Mund- und Nasenbedeckung trug. Obwohl das damals noch gestattet war. Auch damals war es dem Pförtner sichtbar unangenehm, dass er mich zurechtweisen musste, er entschuldigte es damit, er müsse es tun, weil es eine Beschwerde gegeben habe. (Siehe meinen Beitrag „(Corona-)Denunziation unter Journalisten“). Ich habe mich schon damals gewundert, was den Kollegen daran hinderte, einfach offen auf mich zuzukommen und mir zu sagen, dass er Probleme damit habe, dass ich einen Schal statt einer Maske nutze. Sich stattdessen hinter meinem Rücken zu beschweren, fand ich – nein, da fällt mir jetzt kein freundliches Wort ein. Zumal ich mutterseelenallein auf weiter Flur stand. Ich weiß nicht, wer mich heute „gemeldet“ hat, und ich überlasse es Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, sich nach Ansicht des Videos (hier) ein Urteil zu bilden. Ebenso wie ich es Ihnen überlassen möchte, ob das böse Wort „Denunziation“ hier angebracht ist oder nicht. Ich habe lange mit mir gehadert, ob ich es in der Überschrift stehen lasse. Und es meinem Team zur Diskussion gestellt. Dort sieht man es als Denunziation. Pat aus meinem Team meinte, früher habe man jemanden, der so etwas macht, als kleine, feige Petze bezeichnet. Aber jeder muss das für sich selbst entscheiden. Egal wie man es nennt: Mich bestürzt so ein Verhalten zutiefst. Es erinnert an finstere Zeiten und an genau solche Charakterzüge, die ich im 21. Jahrhundert in Deutschland für überwunden hielt. Naiverweise.

Transparenzhinweis: Ich mache darauf aufmerksam, dass ich vielleicht Herrn Jung gegenüber nicht so unvoreingenommen bin, wie ich es sein sollte, seitdem er mir öffentlich in der Süddeutschen Zeitung abgesprochen hat, Journalismus zu betreiben. Ich habe das noch so gelernt, dass aus der Erfahrung des Nationalsozialismus heraus Journalismus kein geschützter Beruf ist, weil man vermeiden will, dass sich jemand anmaßt zu entscheiden, wer Journalismus betreibt und wer nicht. Dass dieser Grundkonsens aufgeweicht ist, hat mich nachhaltig erschüttert. Ich werde mich hüten, da mitzumachen. Für mich ist und bleibt Herr Jung ein Kollege. Und sollte sich einmal der politische Wind drehen und jemand versuchen, ihn zu denunzieren oder einzuschüchtern, werde ich ihn verteidigen. Versprochen. Nicht obwohl, sondern gerade, weil mich viele seiner Ansichten und Herangehensweisen so überaus befremden.

Hier das Video, die Szene finden Sie ab Minute 17.38:

 

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Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!


Bild: Reitschuster
Text: br




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Von Veritatis