Wer Hilfe sucht und sich in Obhut begibt, unterwirft sich zumindest für einen bestimmten Zeitraum, akzeptiert er doch Weisungen und verzichtet auf Autonomie. Es liegt nicht nur an den Gesundheitsrisiken jeder Behandlung oder daran, dass Behandler Krankheiten verkennen und eine falsche Therapie verordnen. Nein, es liegt an der Preisgabe der Selbstbestimmung. Wer sich behandeln lässt, handelt nicht mehr. Bereits derjenige, der Tests zur Früherkennung akzeptiert, bringt sich in Gefahr. Schon weisen ihn Messwerte wenigstens als Mitglied einer sogenannten Risikogruppe aus. Damit können Auflagen und Einschränkungen verbunden sein, die gar nicht mehr individuell verordnet werden müssen.

In der griechischen Tempelmedizin oder bei rituellen Heilbehandlungen anderer Völker lagen die Zuordnung eines Krankheitsbildes, Behandlung und soziale Konsequenzen in den Händen von Priestern und Schamanen. Diese Rolle übernahmen im Früh- und Hochmittelalter zunehmend Geistliche der katholischen Kirche. Bis zum 14. Jahrhundert traf dies auch für die Diagnose der mit den Kreuzzügen aus dem Nahen Osten eingeschleppten Lepra zu. Priester entschieden allenfalls unter Zuziehung erfahrener Leprakranker, ob ein Mensch aus der Gemeinschaft ausgestoßen wurde. Die Diagnose war der soziale Tod. An Leprakranken wurden rituelle Beerdigungen vollzogen, da sie die Gesellschaft verlassen mussten und ihres Besitzes beraubt wurden.

Mit der Entstehung einer eigenen akademisch ausgebildeten Ärzteschaft ab dem 13. Jahrhundert übernahmen Ärzte diese Einstufung. Das älteste deutsche Leprazeugnis stammt von 1357 (1).

Die Beschau erfolgte nun in einem Konsil von drei Ärzten, um nicht nur das Risiko von Irrtümern zu vermindern, sondern vor allem um Bestechlichkeit zu erschweren. Ein Arzt inspizierte die aussatzverdächtige Person von Kopf bis Fuß, ein anderer begutachtete den ausgewaschenen Blutkuchen des Aderlasses, und der dritte prüfte den Harn. Sah der Blutkuchen eine Stunde nach Übergießen mit rohem Öl wie gekocht aus und versank Bleiasche im Harn, galt die Diagnose als gesichert. Neben der Begutachtung von Hautläsionen erfolgten also noch zwei nicht evidenzbasierte Tests, die das Testat zur Lotterie werden ließen. Zynischerweise konnten sich „Diagnosen“ sogar im Verlauf bestätigen, da eine fälschlich attestierte Lepra bei Verbannung in die Quartiere der Aussätzigen eine Erkrankung vorprogrammierte. Der Missbrauch physikalischer oder chemischer Vorgänge als Gottesurteil oder „Test“ ist nicht erst in unserer Zeit entstanden.

Dies war der Einstieg von Ärzten in eine unselige Gutachterrolle, die sie über die folgenden Jahrhunderte zu den Erfüllungsgehilfen der Mächtigen werden ließ.

Es waren Ärzte, die die Tauglichkeit von Menschen für Foltermaßnahmen bescheinigten, Personen — oft unzutreffend — als „Tuberkulosekranke“ stigmatisierten, „Euthanasie“ und Zwangssterilisationen im Dienste faschistischer Regime ausführten, Personen wegen angeblicher Unzurechnungsfähigkeit in geschlossene Psychiatrien sperrten.

Am 5. November 1766 erließ die österreichische Kaiserin Maria Theresia (1717 bis 1780) ein Edikt, das Hofärzte verpflichtete, Beschuldigten die Tauglichkeit zur Folter zu bescheinigen (2).

Ärztlicher Widerstand dagegen ist nicht bekannt — ebenso wenig im Jahr 2020, als Ärzte mit untauglichen Tests, manipulierten Zahlen und willfährigen Fehldiagnosen „Covid-Kranke“ und „Covid-Tote“ vortäuschten, die es nie gab (3).

Massenweise wurden gesunde Menschen in Hausarrest geschickt oder ihnen die Eignung für eine unsinnige Impfung bescheinigt. In allen Fällen musste Ärzten die hohe Irrtumsquote ihres Testats bewusst sein.

Mit der Pandemie-Inszenierung kehrte 2020 das Schuldstigma von Krankheit in die Medizin zurück, das sich im 20. Jahrhundert mit dem schwindenden Einfluss der Kirchen verflüchtigt hatte.

Ein potenziell Kranker wurde nicht mehr in erster Linie als Hilfsbedürftiger, sondern als Gefährder für andere Menschen eingestuft, erkennbar daran, dass mit kostenintensiven und aufwendigen Maßnahmen einschließlich eines Personen-Tracings potenziell infektiöse Menschen unter Aufkündigung aller Verfassungsrechte aufgespürt wurden — Freiheitsentzug inklusive. Selbst elektronische Fußfesseln wie für terroristische Gefährder wurden für testpositive Personen ins Spiel gebracht (4).

Es kann kein Wohlergehen geben, wenn jemand im Namen der Gesundheit gegen seinen Willen therapiert, hospitalisiert, eingesperrt oder irgendwie belästigt wird. Gesundheit beinhaltet immer Freiheit und Rechte. Masken- und Impfzwang, Immunitätsausweis, verpflichtende Händedesinfektion und soziale Distanzierung: Die steigende Intensität der Gesundheitsbetreuung durch vermeintliche Präventionsmaßnahmen, diagnostische Tests und verbindliche Behandlungsprogramme unter dem Deckmantel „Gesundheitsschutz“ beeinträchtigt das Wohlbefinden und damit die Selbstheilungskräfte. Auch torpedieren unwirksame Zwangsbehandlungen die notwendige Gewöhnung an irreparable Einschränkungen, indem sie falsche Hoffnungen auf Wiederherstellung schüren.

Es ist uns viel zu wenig bewusst, dass es keine Gesundheit ohne Freiheit gibt.

Jeder Versuch, selbst in bester Absicht, Gesundheit oder was man dafürhält, verpflichtend zu befördern, schlägt ins Gegenteil um.

Keine Therapie ist frei von unerwünschten Wirkungen. Impfungen können akute und chronische Krankheiten verursachen. Dies gilt umso mehr, als die unter dem Label „Corona“ geplanten Gesundheitspflichten von skrupelloser Profitgier getrieben sind. Die Gesundheitsindustrie dient in erster Linie sich selbst.

Dies desavouiert auch eine immer wieder geforderte Führungsrolle der „Wissenschaft“ für alle medizinischen Entscheidungen. Wissenschaft bewegt sich im Rahmen von Experimenten und Modellannahmen. Medizin ist dagegen immer konkret mit einer Person verknüpft. Was für einen Menschen eine akzeptable Nutzen-Risiko-Abwägung darstellt, ist für einen anderen inakzeptabel. Wissenschaftliche Dogmen kennen jedoch keinen Handlungsspielraum — weder für den Arzt noch für den Patienten.

Wer alle gesundheitspolitischen Entscheidungen wie das Impfgesetz „der Wissenschaft“ unterwirft, hat die Freiheitsrechte irreparabel beschädigt.

Nicht wenige zu ihrem Schutz weggesperrte Bewohner von Altenheimen haben die Isolation mit ihrem Leben bezahlt.

Erst durch eine flächendeckende ärztliche Kollaboration mit manipulierten Diagnosen und unsinnigen Behandlungen konnte 2020 eine alljährliche Viruserkrankung ohne besonderes Gefährdungspotenzial zum Motor eines gesellschaftlichen Umsturzes werden (5).

Entgegen der Genfer Deklaration des Weltärztebundes war Selbstbestimmung der Kranken nicht mehr oberstes Gebot. Ohne das Selbstbestimmungsrecht der Menschen führt die Medizin aber das Ende der Gesundheit herbei. Wer vorgibt, die Menschen von der Bedrohung durch Krankheit beschützen zu können und zu müssen, beendet ein unbeschwertes Leben in Bewegungs- und Entscheidungsfreiheit — eine Erkenntnis, die schon Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika, formuliert hatte: „Wer seine Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“



Quellen und Anmerkungen:

(1) Winkle, Stefan: Geißeln der Menschheit. Kulturgeschichte der Seuchen. Seite 22 folgende; Artemis & Winkler; Düsseldorf/Zürich 1997.
(2) Illich, Ivan: Die Nemesis der Medizin. Von den Grenzen des Gesundheitswesens. Seite 94; Rowohlt; Reinbek bei Hamburg 1977.
(3) Papier-Pandemie: Deutschland: Zwei Drittel der Covid-Toten in 2020 ohne Virus-Nachweis; https://www.wochenblick.at/deutschland-zwei-drittel-der-covid-toten-in-2020-ohne-virusnachweis/
(4) CDU-Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz; https://www.rheinpfalz.de/lokal/ludwigshafen_artikel,-quarant%C3%A4ne-app-und-fu%C3%9Ffessel-spd-emp%C3%B6rt-%C3%BCber-pl%C3%A4ne-dercdu-landtagsfraktion-arid,5062037.html
(5) Falsch ausgestellte Totenscheine: Tausende Ärzte mit einem Bein im Knast? Laufpass vom 25. Januar 2021; https://laufpass.com/corona/gefaelschte-totenscheine-tausende-aerzte-mit-einem-bein-im-knast/



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Von Veritatis