Zunächst bezeichnen sich die Außenminister Griechenlands und der Türkei noch als Freunde – dann eskaliert die Pressekonferenz. Die Rede ist von «Fake-News» und «inakzeptablen Anschuldigungen».

Istanbul (dpa) – Der erste Besuch eines griechischen Außenministers in der Türkei seit zwei Jahren hat in einem Eklat geendet.

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz warfen sich Nikos Dendias und sein türkischer Amtskollege Mevlüt Cavusoglu jeweils Fehlverhalten in zentralen Konflikten wie dem Erdgasstreit und der Migrationspolitik vor.

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind seit Jahren angespannt. Die Regierung in Athen wirft dem Nachbarn etwa vor, in Gewässern der Ausschließlichen Wirtschaftszone Griechenlands illegal nach Erdgas zu forschen. Ankara argumentiert, die erkundeten Zonen gehörten zum türkischen Festlandsockel und die Türkei habe ein Recht auf Ausbeutung der Bodenschätze.

Der Konflikt brachte die beiden Länder im vergangenen Jahr an den Rand einer militärischen Auseinandersetzung, hatte sich zuletzt aber wieder entspannt.

Während beide Politiker zu Beginn der Konferenz noch eine positive und konstruktive Atmosphäre lobten, eskalierte das Gespräch schnell, nachdem Dendias die Türkei etwa ermahnte, keine «Fake-News» zu verbreiten. Cavusoglu, der Dendias zu Beginn noch seinen langjährigen Freund nannte, reagierte und sagte, er habe das Gespräch in einer freundlichen Atmosphäre stattfinden lassen wollen. «Aber in seiner Rede hat Niko Dendias leider äußerst inakzeptable Anschuldigungen gegenüber meinem Land geäußert.»

Er warf Griechenland etwa vor, Menschen «ins Meer geworfen» zu haben. Das habe man nicht vor der Presse besprechen wollen, «aber Sie stellen sich hierher und beschuldigen die Türkei vor der Presse, um natürlich Ihrem Land eine Botschaft zu vermitteln. Das kann ich nicht akzeptieren», sagte der türkische Außenminister.

Ankara wirft Griechenland immer wieder vor, Migranten in der Ägäis illegal zurück in türkische Gewässer zu drängen, um sie daran zu hindern, nach Griechenland zu gelangen. Athen quittierte Vorwürfe dieser Art immer wieder als «Fake-News».

 

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Von Veritatis